Phase-6: Gelerntes direkt ins Langzeitgedächtnis

Leichter Vokabeln lernen durch automatische Abfrage am PC

10.07.2008 Elvira Lauscher

Gelerntes nie mehr vergessen, das klingt fast wie ein Märchen. Dabei ist es einfach, denn je öfter man Lernstoff wiederholt, desto länger bleibt er erhalten.

Doch wer lernt schon gerne zig Mal die gleichen Vokabeln? Und dann auch noch ganz freiwillig und genau zu dem richtigen Zeitpunkt? Um das Gedächtnis zu überlisten, muss man schon geschickt vorgehen, denn das Vergessen erfüllt eine wichtige und nützliche Funktion.

Emotionaler Bezug schützt vor Vergessen

Stellen Sie sich vor, Sie würden sich an den genauen Ablauf jedes einzelnen Tages im letzten Jahr erinnern – Sie wären völlig überfordert, geistig und emotional. Denn tatsächlich werden Dinge die ohne emotionalen Bezug sind, schneller vergessen als Situationen, die eine starke Emotion hervorrufen. Dies ist evolutionär betrachtet entscheidend für das Überleben. Vokabeln oder trockener Lernstoff bewirken in den seltensten Fällen emotionale Bindungen oder positive Gefühle. Dabei halten sich positive Erinnerungen entscheidend besser als negative, was uns oft von den „guten alten Zeiten“ sprechen lässt. Das Gedächtnis selektiert die neutralen und negativen Dinge zu Gunsten der positiven Eigenschaften aus.

Hermann Ebbinghaus machte wichtige Feststellung

Vor über 100 Jahren machte der Pionier der experimentellen psychologischen Gedächtnisforschung eine wichtige Entdeckung, die leider bis heute wenig beachtet wird. Seine 1885 aufgestellte Vergessenskurve - siehe Bild unten - zeigt eine beachtliche Halbwertzeit von Erlerntem. Wenn man der Meinung ist, einen Stoff wie Vokabeln oder Geschichtszahlen gut zu können, so ist dieser Stoff trotzdem noch nicht für immer gespeichert. Nach einer halben Stunde ist durchschnittlich die Hälfte verschwunden. Nach etwas einem Monat ist nur noch ein Fünftel des Stoffes im Gedächtnis erhalten, fand der Psychologe Hermanm Ebbinghaus in seinen experimentellen Forschungen heraus. Diesem „Verdunstungsbestreben“ frisch gelernter Inhalte kann nur durch erneutes Lernen entgegen gewirkt werden.

Überlernen ist keine dauerhafte Lösung

Allerdings kann man durch ständiges gleichförmiges Wiederholen des Lernstoffes nur bedingt das Vergessen verhindern. Es fehlt in diesem Fall die Freude daran und damit ein emotionaler Bezug. Schon vor dem Computerzeitalter hat sich der Karteikasten mit mehrmaligen Wiederholungsfächern als Lernhilfe bewährt. In immer neuer Zusammenstellung kann man die vergessenen Lerninhalte wiederholen und bei jedem erneuten Lernen verlängern sich die Halbwertzeiten und der Lernende kann einen längeren Zeitraum verstreichen lassen, bis er durch eine erneute Wiederholung die verlorenen Lerninhalte wieder auffrischen muss.

Karteikasten auf den Computer übertragen

Dieses System macht sich die Lernsoftware phase-6 zu Nutze. In der einfachen und anwenderfreundlichen Software wird in periodischen Zeiten der Lernstoff wiederholt und damit immer wieder neu aufgefrischt. Nach sechs Wiederholungsphasen, in denen der Stoff gewusst werden muss, damit er in die nächste Phase darf, ist dieser im Langzeitgedächtnis verankert. Die Abfrage erfolgt nach drei, zehn, dreißig und neunzig Tagen, Ferien- oder Pausenzeiten können eingegeben werden, damit der Rhythmus eingehalten werden kann.

Jeder Stoff ist mit der Software lernbar

Der Benutzer gibt selbst die Lerninhalte ein, kann Unterrubriken und Detailinformationen dazu anlegen. So können zum Beispiel ebenso Mathematik-Formeln, unregelmäßige Verben, Vokabeln oder naturwissenschaftliche Lernstoffe eingegeben werden. Gerade für Vokabel ist die Umkehrfunktion interessant, das heißt man gibt die Vokabel einmal ein und wird diese dann später von Deutsch auf Englisch und von Englisch auf Deutsch abgefragt. So sind immer wieder Erfolgserlebnisse beim Lernen zu spüren, da man oft eine Richtung besser als die andere kann. Dazu ist die Software auf die ganze Familie ausgelegt. Es sind können bis zu sieben Benutzer darauf arbeiten, die beliebig viele Unterfächer festlegen können. Sogar die Verwandtschaftsgeburtstage oder wichtigen Familientage können so Theoretischerweise abgefragt und für immer ins Langzeitgedächtnis geschoben werden.

Einfach und ohne viel Schnick-Schnack

Die Software besticht durch ihre Schlichtheit. Nichts lenkt beim Lernen oder Daten Eingeben ab. Das Startfenster ist in dunkelgrün und orange gehalten, wie die ganze Software. Es enthält nur die Möglichkeiten Daten einzugeben oder abzufragen, Extras zu nutzen, den Benutzer zu wechseln oder das Programm zu beenden. Bei den Extras bietet sich die Möglichkeit, Daten zu exportieren oder importieren, zum Beispiel aus den fertigen Datenmodulen auf der Internetseite der Software. Auch die Abfrage ist wohltuend einfach. Drei Kästchen in orange und grau sind die Abfrageplattform. Das erste Kästchen enthält die Frage, in das zweite schreibt man seine Antwort und das dritte Kästchen zeigt die Lösung. Die einzige Bewegung innerhalb der Software ist das Weiterwandern des orangefarbenen Balkens in die nächste Phase. Je höher die Phase wird, desto länger wandert der Balken und desto mehr Freude am Lernerfolg stellt sich ein.

Eine Software, die das hält, was sie verspricht

Auch wenn die knapp 20,- Euro für ein Vokabel-Lern-Programm im ersten Moment viel erscheinen, ist er für den Mehrwert und die Erfolgserlebnisse beim Lernen absolut angemessen. Übrigens auch bestens für körperbehinderte Menschen geeignet, da das ganze Programm komplett über die Tastatur benutzt werden kann.

  • Über den Entwickler Daniel Gorin

Als der 19-Jährige Student Spanisch lernen wollte, entwickelte er kurzerhand eine eigene Software, die das Prinzip des Karteikastens im 5-Fächer-Lernsystem mit den Vorteilen des Computers verband. 2002 kam die Software Phase 6 heraus und seitdem benutzen viele Schulen und private Anwender diese Lernsoftware.

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