Bernd Schiermann, Silicon Asbeck

Ein Porträt über einen Mann und sein Internetportal

05.04.2008 Jörg Tilmes

Bernd Schiermann - der neue Chad Hurley? - Bernd Schiermann
Bernd Schiermann - der neue Chad Hurley? - Bernd Schiermann
Der Asbecker Reisekaufmann Bernd Schiermann hat eine Software entwickelt, die das Buchen von Hotelzimmern via Internet revolutionieren kann.

Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim sind drei Männer, die Internetgeschichte geschrieben haben. Ihr am 15. Februar 2005 gegründetes Videoportal Youtube.com hat sich zu einer unglaublichen Erfolgsstory entwickelt. Die User, die ihre selbstgedrehten Videofilmchen auf dieses Portal einstellen, sind zu einer weltweiten Community zusammengewachsen. Schon am 9. Oktober 2006 wurde YouTube vom Suchmaschinenbetreiber Google für umgerechnet 1,31 Milliarden Euro erworben. Die nunmehr schwerreichen Gründer Chad Hurley und Steve Chen bleiben weiterhin die Chefs ihrer 67 Mitarbeiter und schreiben die Erfolgsgeschichte von Youtube.com fort.

Bernd Schiermann

Legden-Asbeck ist eine kleine Gemeinde im westlichen Münsterland und gehört zu Nordrhein-Westfalen. Am 31.12.06 waren dort 6807 Einwohner gemeldet. Bernd Schiermann ist in Legden geboren und aufgewachsen; auch heute noch lebt der zweifache Familienvater in dem reizvollen Dorf. In einer früheren und inzwischen umgebauten Kraftfahrzeugwerkstatt betreibt er die Firma eBuchen.de GmbH. Über dieses Reiseportal kann der User von Club- und Wandertouren über Schiffsreisen und Städtereisen bis hin zu Kreuzfahrten alles buchen, was das Fernweh lindert. Die Abwicklung ist denkbar einfach und übersichtlich. Dieses Online-Reisebüro ist ein weiteres Beispiel dafür, wie die Welt durch das Internet zusammenwächst: Nicht in den Medienzentren Frankfurt, Düsseldorf oder Hamburg sitzt dieses Unternehmen, sondern völlig atypisch auf dem Land.

Die aktuelle Situation bei den Hotelbuchungen

Aus der Arbeit in seinem Unternehmen heraus hat Bernd Schiermann erkannt, dass es Verbesserungsbedarf bei der Abwicklung der Buchungen von Hotels gibt. Hat ein Hotel freie Zimmer, stellt dieses Hotel sie in die einschlägigen Vertriebswege ein. Zum einen bekommt ein Reiseveranstalter ein gewisses Kontingent, zum anderen Webportale wie hrs.de oder ähnlichen Wettbewerbern. Werden Hotelzimmer zum Beispiel von einem Reiseveranstalter nicht verkauft, müssen sie etwa vier Wochen, bevor sie vakant sind, ans Hotel zurückgegeben werden, um dem Hotel selbst noch die Möglichkeit einzuräumen, das Zimmer zu vermieten. Schiermann: „Tausende Leute sind Tag für Tag damit beschäftigt, Kapazitäten von freien Hotelzimmern zu erfassen, den Buchungsportalen zu melden, zu überwachen und auch zurückzunehmen.“ Ein teurer Aufwand, den es zu vermeiden gilt.

Ein Schritt in die Zukunft

Schiermann hat daraufhin von einem in Österreich ansässigen Unternehmen eine Software entwickeln lassen, die diesen Aufwand abschafft. Vereinfacht ausgedrückt, kann jeder Marktteilnehmer sofort erkennen, welches Zimmer noch frei ist, was es kostet und es direkt online buchen. Vermietet ein Hotel selbst ein Zimmer, wird dies im System auch für Dritte sofort erkennbar. Fachleute sprechen hier von einer Echtvakanz.

Erfassen, melden, sperren oder verwalten von Kontingenten wird überflüssig. Vermietet ein Hotel jetzt ein Zimmer über zum Beispiel hrs.de, bleibt der Verwaltungsaufwand, die Benachrichtung über die Buchung innerhalb des Hotels verwaltungstechnisch umzusetzen. Tritt der Bucher von der Reservierung zurück, muß das Zimmer neu an hrs.de gemeldet und erneut eingestellt werden. Alles manuell.

Ganz anders bei Schiermanns Technik: Die angeschlossenen Hotels wachsen mittels Schiermanns Software in einer großen Datenbank zusammen, auf die von jeder beteiligten Partei – Gast, Reiseveranstalter und dem Hotel selbst – direkt zugegriffen werden kann. Der Verwaltungsaufwand entfällt.

Was es kostet? „Only pay by sales!“

Das Leistungsprinzip zählt auch hier. Schiermann plant, seine Software weltweit anzubieten. Sie ist urheberrechtlich geschützt und soll den Hotels – Ketten wie einzelnen Häusern – kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Es handelt sich nicht um ein Produkt, das Endverbrauchern angeboten wird. Selbstverständlich partizipiert Schiermann im Erfolgsfall, also mit einer kleinen Provision an der Miete jeden verkauften Zimmers, durch seine Dienstleistung. Aber die Software muß von einem Hotel weder erworben, noch gemietet oder sonstwie vorbezahlt werden.

Der Ausblick

Schiermann will durch die Kooperation mit einem Werbeträger aus dem Sport Hotels und Verbände auf seine neue Software einstimmen. In der Tat hat diese ein großes Potential, den Buchungsaufwand in der weltweiten Hotellerie drastisch zu reduzieren. Gemessen daran, wieviele Hotelzimmer in der Welt vakant sind, scheint diese Software auch das Potential zu haben, Schiermann zu einem reichen Mann zu machen. Selbst dann, wenn er nur mit kleinsten Prozentsätzen an den erfolgten Buchungen verdient. Jährliche Ausfahrten mit dem Fahrrad für Waisenkinder und andere Maßnahmen sozialen Engagements sollen die Einführung der Software abrunden.

Insofern kann sich die Geschichte von Chat Hurley und Steve Chen wiederholen. Diesmal aber nicht im stets hochgelobten Silicon Valley Amerikas, sondern im kleinen und beschaulichen Legden-Asbeck am Nordwestrand von NRW.

Urheberrecht: Jörg Tilmes. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

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